Die Judenverfolgung im Nationalsozialismus

Author: admin  //  Category: Allgemein, Deutschland, Geschichte, Nationalsozialismus

Die Judenverfolgung im Nationalsozialismus

Schriftliche Ausarbeitung zur
Präsentation vom 20. Januar 2012

Von Tim J. Peters

Inhalt
Deckblatt
Inhalt
Zeitliche Abfolge

  •  Einordnung
  •  Entwicklung / Gesetzgebung in Deutschland
  •  Umgang Hitlers mit den Juden in eroberten Gebieten

Konzentrationslager
Widerstand

  • Jüdischer Widerstand
  • Deutscher Widerstand

NS‐„Euthanasie“
Literaturangabe / Quellen

 

Zeitliche Abfolge

Einordnung

Grundsätzlich lässt sich die systematische Verfolgung und angestrebte Vernichtung der Juden unter Hitler in vier Eskalationsstufen einteilen. Diese lassen sich aber keinesfalls zu jedem Zeitpunkt klar trennen, sondern gehen immer wieder ineinander über.
1. Entrechtung und Verdrängung.
Hierunter ist die systematische Benachteiligung der Juden mit dem Ziel ihrer
Verdrängung aus dem öffentlichen Raum und langfristig aus Deutschland, gar
aus Europa anzusehen.
2. Pogrom.
Vor allem sei hier die sogenannte „Reichskristallnacht“ vom November 1938
genannt. Dieses Pogrom gilt als Vorbereitung des Deutschen Volks auf die
folgenden Gewalttaten gegen Juden, sowie auf den Kriegseinsatz.
3. Diskriminierung, Ghettoisierung.
Hierunter fällt nicht nur die weitgehende Verdrängung aus dem öffentlichen
Leben und der massive Rechteentzug der Juden unter Hitler, sondern auch die,
vor allem in Polen, aber auch in Deutschland und den eroberten Gebieten
voran getriebene Isolierung der Juden in extra Stadtteile ‐ den Ghettos ‐ unter
widrigsten Bedingungen.
4. Massenmord. (etwa ab 1942)
Der Massenmord ist als die geplante, systematische Ausrottung der „jüdischen
Rasse“ in eigens dafür errichteten Tötungslagern aber auch durch massenhafte
Erschießung, gerade an der Front zu verstehen.
Zeitliche Abfolge anhand der Gesetzgebung in Deutschland
Schon am Tag der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 kommt es in Deutschland zu ersten, spontanen Protesten gegen jüdische Beamte und Geschäftsleute sowie zu ersten Gewalttaten gegen jüdisch stämmige Deutsche. Von da an verschlechtert sich die Lage der Juden in Deutschland nahezu täglich.
Am 1. April 1933 kommt es zu einem organisierten „Judenboykott“. Hierbei werden nicht nur, wie der Name erahnen lässt, jüdische Geschäfte boykottiert, sondern auch deren Besitzer verprügelt. Vor den Geschäften stehen Uniformierte und lassen auch potenzielle Kunden, die sich nicht abschrecken lassen, nicht mehr in die Geschäfte hinein.

Auch werden viele jüdische Läden an diesem Tag zertrümmert, ohne dass dies von der Polizei geahndet wird.
Am 7. April des gleichen Jahres bekommt die Ausgrenzung der Juden eine erste gesetzliche Grundlage. Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ legitimiert die Entlassung tausender Juden aus dem Beamtentum.
Zu dieser Zeit hat Hindenburg aber noch genug Einfluss, um das Gesetz wenigstens in kleinen Zügen abmildern zu können. So sind Beamte, die vor 1914 eingestellt wurden und solche, die an der Front (des ersten Weltkriegs) gekämpft haben, fortwährend davon ausgeschlossen.
Weitere Berufsverbote folgen nun schnell für jüdische Steuerberater, Rechtsanwälte und Ärzte. Auch erhalten Juden in Deutschland nur noch eingeschränkten Zugang zu Schulen und Universitäten.
Die Tatsache, dass Hitler so schnell mit und ohne Gesetzesgrundlage gegen die Juden vorgeht, legt den Schluss nahe, dass ihm deren Diskriminierung zu diesem Zeitpunkt schon ein primäres Anliegen ist.
Einige Quellen besagen, dass die ersten Morde im Konzentrationslager (folgend KZ) Dachau schon am 12. April 1933 vonstatten gehen. Das KZ Dachau besteht schon seit dem 22. März 1933. Von ihm wird fortan die Entwicklung zu Lagern ausgehen, die anfangs politischen Gegner, später fast ausschließlich Juden und andere von der „arischen Rasse“ abweichenden Gruppen (Bsp. Sinti und Roma) das Leben und den Tod zur Hölle machen.
Zwischen Januar und Juni 1933 verlassen 25.000 deutsche Juden ihre Heimat. Diese Zahl wird bis auf 80.000 im Jahr 1939 ansteigen (dazu später mehr).
1935 kommt es zu einer weiteren Einschränkung der Rechte deutscher Juden. So kommt zu weiteren Berufsverboten nun auch der Ausschluss aus dem Wehrdienst für Juden und erstmals auch für deren Ehegatten.
Im Juli des gleichen Jahres sind weitere gewaltsame Ausschreitungen gegen Juden zu beobachten. Eine Verurteilung der Täter bleibt fast durchgängig aus.
Im September werden dann die sogenannten „Nürnberger Gesetze“ verabschiedet. Diese zeichnen einen neuen Höhepunkt der Entrechtung aller in Deutschland lebender Personen mit jüdischen Vorfahren oder jüdischer Glaubenszugehörigkeit – aber dadurch auch indirekt die Entrechtung Deutscher, die fortan bestimmte Juden nicht mehr heiraten dürfen.
Durch die Nürnberger Gesetze verlieren die Juden in Deutschland neben ihrem
Wahlrecht auch ihre volle Bewegungsfreiheit im Inland. Gleichzeitig wird über das Die Judenverfolgung im Nationalsozialismus Geschichte Tim J. Peters

„Blutschutzgesetz“ die Eheschließung, sogar die Sexualität zwischen Juden und
„Ariern“ verboten.
Im Originalauszug (Abb. 1) ist der Bezug Hitler auf die mendelsche Vererbungslehre
gut zu erkennen. So soll über Baumdiagramme für jeden verständlich werden, wie die
Kreuzung von „jüdischem und reinem, arischen Blut“ vonstatten geht bzw. nicht
gehen darf.
In den Nürnberger Gesetzen wird der Rassebegriff, den Hitler immer wieder
verwenden wird, erstmals offiziell geprägt. Auch werden Juden, abhängig von ihrer
Abstammung in Kategorien eingeteilt, die ihre Rechte beeinflussen:
 Als „Volljude“ gilt, wer drei oder mehr jüdische Großeltern hat oder die
jüdische Religion ausübt.
 „jüdischer Mischling“ ist, laut den Gesetzen wer ein oder zwei jüdische
Großeltern hat
 Als dritte Kategorie taucht noch der Begriff des „Geltungjuden“ auf. Hiermit
sind z.B. Ehepartner von Juden abgedeckt. Geltungsjuden werden folgend
praktisch wie Volljuden behandelt.
In dieser Aufteilung, aber auch in den Formulierungen der Nürnberger Gesetze an
sich ist die Abschätzigkeit und die Überzeugung der Verfasser überlegen zu sein zu
Abbildung 1 / Originalauszug aus den Nürnberger Gesetzen vom September 1935
Die Judenverfolgung im Nationalsozialismus Geschichte Tim J. Peters
6
erkennen. Ein Beispiel sei hier der Begriff „Mischling“, der den Judenbegrifflich auf
eine Stufe mit einem Hund stellt.
Im Jahr 1936 kommt es erstmals seit 1933 wieder zu einer Verbesserung der
Verhältnisse der in Deutschland lebenden Juden, da in diesem Jahr durch die
Gastgeberschaft Deutschlands bei den Olympischen Spielen die Aufmerksamkeit der
Weltöffentlichkeit auf Deutschland ruht.
An diesem Rückgang der Diskriminierung und Schikane lässt sich vielleicht erkennen,
dass für Hitler zu diesem Zeitpunkt taktische Interessen noch klar vor Ideologischen
stehen.
Die auf den Olympischen Spielen basierende, relative Ruhe währt aber nur bis 1938.
Ab da verstärkt sich die Verfolgung der Juden wieder stark.
Am 5. Januar 1938 tritt das „Gesetz zur Änderung der Familiennamen und Vornamen“
in Kraft. Diese zwingt Juden von nun an, typisch jüdische Vor‐ und Zunamen zu
tragen. Ansonsten hat jeder Jude den Vornamen „Israel“ und jede Jüdin den
Vornamen „Sara“ als Rufname anzunehmen.
Auch hier ist wieder zu sehen, wie weit die Gesetzgebung des 3. Reichs schon in die
innersten Persönlichkeitsrechte der Juden eingreift und diese versucht zu separieren
und ihre Ausgrenzung auch in der Bevölkerung voran zu treiben.
Ab Februar desselben Jahres werden auch jüdische Unternehmen massiv
benachteiligt. Sie erhalten nun nicht nur immer geringere Zuteilungen von
Rohstoffen, auch ist es „deutschblütigen“ Frauen fortan verboten in jüdischen
Betrieben zu arbeiten. Jüdische Unternehmen müssen von jetzt an auch auf
öffentliche Aufträge verzichten und ihr Vermögen zu jedem Zeitpunkt offen legen.
Ziel dieser Gesetzgebung ist die Verdrängung jüdischer Unternehmen und somit die
„Arisierung“ der deutschen Wirtschaftslandschaft.
Als nächster Schritt wird die Sozialfürsorge für Juden eingestellt. Diese Aufgabe
obliegt fortan jüdischen Sozialverbänden und Stiftungen.
Auch müssen, angefangen im September 1938 bis Januar 1939 alle jüdischen
Stiftungen in Ihre Satzungen schreiben, dass sie der Auswanderung der Juden dienen.
Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, dürfen auch einfache NSDAP‐
Mitglieder Juden enteignen um die „Enteignung und Vertreibung aus dem
Großdeutschen Reich“ voranzutreiben.
Als Reaktion auf immer mehr aus Deutschland flüchtenden Juden, kündigt Polen
Restriktionen bei der Einreise deutscher Juden nach Polen an und plant ein Gesetz zu
verabschieden, nachdem polnische Juden, die länger als fünf Jahre im Ausland gelebt
Die Judenverfolgung im Nationalsozialismus Geschichte Tim J. Peters
7
haben, ihre polnische Staatsbürgerschaft und damit das Recht zur Einreise nach Polen
verlieren.
Deutschland reagiert nach kurzen Verhandlungen mit der gewaltsamen Abschiebung
tausender, in Deutschland lebender, polnischer Juden nach Polen, darunter Marcel
Reich‐Ranicki.
Ein Pariser Student, dessen Eltern auch von dieser gewaltsamen Abschiebung
betroffen sind, reagiert mit der Erschießung des deutschen Diplomaten in Paris. Diese
unbedachte Tat eines Jugendlichen wird später als Vorwand für das
Novemberpogrom genommen.
In der Nacht vom 9. auf den 10. November kommt es zu diesem Pogrom, auch
verharmlosend als „Reichskristallnacht“ bezeichnet.
Von einer Rede Goebbels zum Jahrestag des Hitlerputsches, in der er die Tat des
Pariser Studenten als politischen Angriff der Juden gegen Deutschland einstuft,
gezielt angestachelt, ziehen viele NSDAP‐Mitglieder und einfache Bürger los und
zerstören jüdische Wohnungen, Häuser und (oft Jahrhunderte alte) Synagogen,
misshandeln, vergewaltigen und ermorden bis zu 400 Juden und treiben viele in den
Selbstmord.
Hier ist deutlich ein erster Übergang von der Diskriminierung zur systematischen
Verfolgung zu erkennen.
Um diese Zeit werden auch erstmals tausende jüdische Bürger in
Konzentrationslagern interniert. Schätzungen sprechen von bis zu 36.000 Menschen.
Das Novemberpogrom ist damit sicher als Test zu werten, ob und wie weit die
deutsche Bevölkerung bereit ist, den Massenmord an den Juden mit anzusehen und
sich zu beteiligen.
Im Juni 1939 ist es erklärtes Nahziel Hitlers, alle verbliebenen Juden aus Deutschland
nach Polen in Ghettos, sogenannte „Judenreservate“ an der Grenze zur Sowetunion
zu sperren (dazu später mehr). Deren Massenmord und Vernichtung ist hierbei
bereits eingeplant.
Zur gleichen Zeit werden weitere 1600 Juden aus Berlin in KZs eingewiesen.
Wohlhabendere Juden werden vorher so lange festgehalten und misshandelt, bis sie
ihr Vermögen an das Deutsche Reich überschreiben, teilweise im Gegenzug gegen
eine Ausreiseerlaubnis.
Man kann davon ausgehen, dass nicht nur zu einem großen Teil der Krieg, sondern
auch die Infrastruktur die Hitler geschaffen hat (z.B. die berühmten Autobahnen)
durch das von Juden geraubte Vermögen finanziert wurde.
Die Judenverfolgung im Nationalsozialismus Geschichte Tim J. Peters
8
Folgend kommt es zu einer massiven
Fluchtwelle (siehe Tabelle 1).
Darunter sind auch viele, meist
mittellose Juden, die in die Schweiz
flüchten. Diese droht Deutschland
daraufhin mit einer allgemeinen
Visumspflicht, worauf Deutschland ein
Gesetz erlässt, nachdem jüdische
Pässe nur noch im Inland gültig sind.
Dies verhindert nach Kriegsbeginn
1939 die Aufnahme tausender Flüchtlinge, was in vielen Fällen einem Todesurteil
gleichkommt.
Auch hier ist zu beobachten, dass viele jüdische Pässe schon vor Erlass des Gesetzes
mit dem Satz „Nur im Inland gültig!“ gekennzeichnet waren. Hitlers Taktik, sein
Vorgehen erst im Nachhinein zu legitimieren setzt sich hier wieder fort.
Im Juli des gleichen Jahres wird die Alltagsdiskriminierung der Juden in Deutschland
noch verschärft. Immer mehr Schilder mit der Aufschrift „Nur für Deutsche!“ finden
sich im öffentlichen Raum, z.B. an Parkbänken. Auch werden Juden nun grundsätzlich
in die höchste Steuerklasse eingestuft.
Weiter dürfen Wohnungen fortan nichtmehr an „Volljuden“ vermietet werden. Diese
werden in „Sonderwohnbezirken“ untergebracht, woran das Ziel der Ghettoisierung
gut zu erkennen ist.
Von etwa 510.000 Menschen, die 1933 jüdischen Gemeinden angeschlossen waren,
verließen bis 1939 etwa 250.000 bis 315.000 ihre Heimat. 15.000 weiteren gelang bis
1940 noch die Flucht. Nur 10.000 weitere entkamen der Ermordung durch das NS‐
Regime.
Hinzu kommen die ermordeten Juden aus eroberten Nachbarstaaten wie Österreich
und Polen.
Zwischen 1933 und 1939 hat sich die Diskriminierung der Juden in Deutschland zu
einem systematischen Massenmord (Genozid) in KZs gesteigert.
Die Situation der Juden verschärft sich aber zu Kriegsbeginn noch weiter.
Am 9. September 1941 ordnet die Polizei an, dass Juden einen gut sichtbaren, etwa
Handteller großen, gelben „Judenstern“ zu tragen haben, später werden auch
jüdische Wohnungen mit dem Judenstern markiert.
Bemerkenswert ist hierbei, dass die Anordnung von der Polizei kommt. Hieran ist zu
erkennen, wie weit rechtsstaatliche Prinzipien aufgegeben wurden und sich Exekutive
Jüdische Emigration aus Deutschland
1933–1941 | Tabelle 1
Jahr Emigranten
1933 37–38.000
1934 22–23.000
1935 20–21.000
1936 24–25.000
1937 23.000
1938 33–40.000
1939 75–80.000
1940 15.000
1941 8.000
Die Judenverfolgung im Nationalsozialismus Geschichte Tim J. Peters
9
und Legislative vermischen.
Die Entrechtung der Juden in Deutschland ist damit nahezu abgeschlossen.
Im Oktober verbietet Heinrich Himmler die Ausreise für Juden aus Deutschland
endgültig.
Ab 1941 kommt es zur gezielten, systematischen Deportation und Vergasung von
Juden in Konzentrations‐ und Vernichtungslagern (siehe auch Kapitel
„Konzentrations‐ / Vernichtungslager“).
Angehörige von Deportierten haben keinerlei Anspruch auf deren Besitz. Dieses geht
ausnahmslos an das Deutsche Reich über.
1942 werden in „Mischehen“ lebenden Deutsche und „jüdischen Mischlinge“ zur
Ehescheidung oder Sterilisation aufgefordert. Diese Aufforderung kommt von
staatlichen Behörden (!).
Im Jahr 1943 kommt es dann nicht nur zur Aberkennung der deutschen
Staatsbürgerschaft für alle Juden, auch ist es ihnen folgend verboten, bei
Rechtsstreitigkeiten den ordentlichen Rechtsweg zu wählen.
Das hat zur Folge, dass Juden in Deutschland praktisch zu „Freiwild“ werden. Jeder
kann an ihnen strafbare Handlungen vollziehen, ohne eine Verurteilung befürchten
zu müssen. Strafbare Handlungen werden, wenn überhaupt oft von der Polizei direkt
geahndet. So kommt es zu einer starken Vermischung von Exekutive und Judikative.
Da die Polizei durchweg judenfeindlich eingestellt ist, kommt es meist, wenn
überhaupt nur zu einer Bestrafung der Juden bei Übergriffen auf diese.
Folgend dürfen jüdische Mischlinge auch keine höheren Schulen mehr besuchen und
werden aus der Wehrmacht entlassen.
Nach dem Hitler‐Attentat 1944 werden dann auch Beamte die mit Mischlingen
verheiratet sind entlassen.
Ab 1945 werden dann alle Mischlinge zum „geschlossenen Arbeitseinsatz“ befohlen.
Umgang Hitlers mit den Juden in eroberten Gebieten
Hitlers Ziel in der Judenfrage ist die vollständige Vernichtung aller Juden in ganz
Europa. Dieser Völkermord taucht auch als sehr frühes Motiv seines Wahnsinns
immer wieder auf.
Sein Plan sieht vor, den Juden nach dem Krieg die Kriegsschuld zuzuschieben, sie also
in der Bevölkerung noch mehr zu verleumden und so das Volk selbst dazu zu bringen,
die Juden aus Rache vernichten zu wollen.
Selbst in seinem politischen Abschiedsbrief, am Vorabend seines Suizids lässt Hitler
Die Judenverfolgung im Nationalsozialismus Geschichte Tim J. Peters
10
keinen Zweifel daran, dass er im Falle des Sieges seine Genozidpläne verwirklicht
hätte.
In den im zweiten Weltkrieg von Hitler eroberten Gebieten, lässt Hitler fast noch
härter durchgreifen, als in Deutschland selbst. Sei es durch Massenerschießungen
oder später durch die Vergasung in Konzentrations‐ und Vernichtungslagern.
Allein in Polen sterben bis 1939 60.000 Polen, darunter 7.000 Juden.
Ab März 1940 treibt Hitler, vor allem in Polen die Ghettoisierung der Juden massiv
voran. Sichtbar in den Ghettos bei Wahrschau und Lotz kommt es zu einem
Massensterben aufgrund von zu geringen Essensrationen, extrem unhygienischen
Zuständen und willkürliche Misshandlungen durch die Aufseher.
Nur zwei deutsche Offiziere, Wilhelm Ulex und Johannes Blaskowitz wehren sich
gegen das Vorgehen in den Ghettos und werden daraufhin nur abgesetzt. Wehrt sich
später ein Angehöriger der Wehrmacht, so erwartet ihn der Tot.
Ein Plan von Hitler war auch, nach dem Krieg die, in seiner Vorstellung, von
Frankreich erhaltene Insel Madagaskar als riesiges Ghetto zu etablieren, ungeachtet
der dort lebenden, schwarzen Bevölkerung.
Nach massiven Rückschlägen und damit der Gewissheit, dass die Übernahme
Madagaskars Utopie sei, wurde dieser Plan aber stillschweigend fallen gelassen.
Ab dem 22. Januar 1941 kommt es in allen eroberten Gebieten, beispielsweise in
großem Ausmaß in den eroberten Gebieten der Sowjetunion zur direkten
Deportation der Juden in Vernichtungslager.
Millionen werden bis Kriegende sterben.
Konzentrations‐ / Vernichtungslager
Die Entwicklung der KZs ging maßgeblich vom KZ in Dachau aus. Dieses wurde zuerst
erbaut, mit dem Ziel der Inhaftierung, Folterung und Ermordung von politischen
Gegnern und Juden. Dabei hatten die Juden von Anfang an die höchste
Sterblichkeitsrate.
Später ging die Entwicklung hin zu Vernichtungslagern. Spätestens hier war das
primäre Ziel die massenhafte und systematische Ermordung der Insassen.
Nachdem verschiedenste Tötungsmethoden erprobt worden waren, kam es zu
Massentötungen durch ein Gas in extra dafür erbauten Kammern. Dies hatte den
Vorteil, dass für die Soldaten eine sehr viel geringe Hemmschwelle bestand, als
Die Judenverfolgung im Nationalsozialismus Geschichte Tim J. Peters
11
beispielsweise bei einer Erschießung. Ziel war es hier nur noch so viele Menschen wie
möglich innerhalb kürzester Zeit zu ermorden.
Die Lager waren so erbaut, dass die dort Inhaftierten alle anfallenden Arbeiten,
einschließlich der Verbrennung der Leichen, im eigenen Krematorium zu übernehmen
hatten.
Auch Insassen, die nach dem Krieg aus den Lagern befreit wurden, blieben zum Teil
ihr Leben lang, durch die psychische Folter in den Lagern geschädigt.
Widerstand
Jüdischer Widerstand
Nach dem Krieg entstand in Deutschland die verbreitete Auffassung, die Juden hätten
sich gegen das ihnen Angetane nicht gewehrt, hätten keine Widerstand geleistet. In
manchen Kreisen wurde aus dieser Behauptung sogar abgeleitet, dass es die Juden
„doch nicht gestört habe“.
Hierzu ist zu sagen, dass nur wenige Juden von ihrem Schicksal ahnten. Die
Vernichtungslager und Ghettos blieben in der deutschen Bevölkerung lange Zeit nur
Gerüchte.
Auch wegen der immensen Dimension schien es absurd, dass der Plan bestehen
könnte, ein ganzes Volk auszurotten. Weiter dachten viele Juden während des
Reihen toter
Gefangener des KZ
Nordhausen.
(Foto aufgenommen
von einem US‐
Soldaten, nach
Befreiung des Lagers)
Quelle: US National
Archives and Records
Administration
Die Judenverfolgung im Nationalsozialismus Geschichte Tim J. Peters
12
Krieges, dass sie wegen ihrer Arbeitskraft unersetzbar seien. Diese Vermutung sollte
sich als falsch herausstellen – mit fatalen Folgen.
In den Ghettos und sogar in den KZs kam es später immer wieder zu Aufständen.
Prominentestes Beispiel für einen Aufstand in einem der Ghettos ist sicher der
„Aufstand im Wahrschauer Ghetto“ am 19. April 1943.
Hier waren unter Lebensgefahr Waffen ins Ghetto geschmuggelt worden. Mit diesen
lieferten sich die Juden tagelang einen Häuserkampf mit der SS. Nachdem diese hohe
Verluste zu beklagen hatte, kam es zum Panzer‐ und Artillerieeinsatz.
Die wenigen Juden, die den darauf folgenden Kampf überlebten und sich ergaben,
wurden von der SS exekutiert.
Ein Beispiel für einen Aufstand in einem der KZs, ist der „Aufstand von Treblinka“ am
2. August 1943. Dies war der erste Aufstand in einem KZ, der eine Massenflucht zur
Folge hatte. Ziel war neben der Flucht auch die Zerstörung des Lagers.
Von ca. 400 Insassen, die sich beteiligten und fliehen konnten überlebten gerade
einmal 60 den Zweiten Weltkrieg.
Später wurde ins KZ Auschwitz sogar einmal Sprengstoff geschmuggelt und zur
Explosion gebracht. Aufgrund der gestiegenen Sicherheitsmaßnahmen der Lager aber
ohne großen Erfolg.
Deutscher Widerstand
Es ist zu sagen, dass der deutsche Widerstand wesentlich vereinzelter auftrat. Dies
hängt sicher auch damit zusammen, dass jeder Deutsche, der sich gegen den
geplanten und laufenden Genozid zur Wehr setzte, oder versuchte Juden zu retten
sich in Lebensgefahr begab. Trotzdem gab es den deutschen Widerstand.
Prominentestes Beispiel ist sicher der deutsche Industrielle Oskar Schindler, der 1200
jüdische Zwangsarbeiter vor dem Tod bewahrte, indem er sie gegen Ende des Krieges
als „kriegswichtig“ für seinen Betrieb deklarierte und aus eigener Tasche bezahlte.
NS‐„Euthanasie“
Unter dem Begriff NS‐„Euthanasie“ versteht man die Tötung von geistig und
körperlich behinderten Menschen im Nationalsozialismus. Die Euthanasie geschah
unter dem Deckmantel der „Rassenhygiene“.
Die Judenverfolgung im Nationalsozialismus Geschichte Tim J. Peters
13
Die nationalsozialistischen Euthanasie‐Morde können grob in folgende Phasen
differenziert werden:
1. Kinder‐„Euthanasie“ von 1939 bis 1945
2. Erwachsenen‐„Euthanasie“ von 1940 bis 1945
1. „Aktion T4“, die zentralisierten Gasmorde von Januar 1940 bis August
1941
2. Dezentralisiert durchgeführte aber teilweise zentral gesteuerte
Medikamenten‐„Euthanasie“ oder Tötung durch Unterernährung von
September 1941 bis 1945
3. Invaliden‐ oder Häftlings‐„Euthanasie“, bekannt als „Aktion 14f13“ von April
1941 bis Dezember 1944
Viele Euthanasie‐Morde, grade in der Phase der Kinder‐Euthanasie wurden im
Auftrag der Regierung durch Ärzte ausgeführt. Der Nationalsozialismus brachte also
Mediziner, die den Eid geschworen hatten, Menschen zu helfen dazu andere
Menschen gezielt umzubringen.
Gerade die Invaliden‐Euthanasie stieß bei der Bevölkerung auf großen Widerstand.
Daher wurde sie durchgehend geheim gehalten und recht frühzeitig eingestellt.
Hieran kann man sehen, dass der Widerstand der Bevölkerung auch unter Hitler
etwas bewirken konnte. Für die bis zu sechs Millionen Juden, die den Nazi‐Regime in
Europa zum Opfer fielen, kommt diese Erkenntnis zu spät.
Literaturangabe / Quellen
Literaturangabe
Hermann Weiß, Wolfgang Benz, Hermann Graml: „Enzyklopädie des Nationalsozialismus“. ISBN: 3423344083
Leonie Ossowski: „Stern ohne Himmel“. ISBN: 3407789858
Eberhard Aleff: „Das 3. Reich“. ISBN: 3771620201
Buchners Kolleg: „Von der Französichen Revolution bis zum Nationalsozialismus“. ISBN: 3766146424
Weblinks
http://www.dieterwunderlich.de/judenverfolgung.htm, zugegriffen: 4. Januar 2012
http://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust, zugegriffen: 4. Januar 2012
Gefangene in den Bettgestellen der Quelle: US NARA
KZ‐Baracken; Buchenwald, 1945
Diese russischen,
polnischen und
niederländischen
Sklavenarbeiter
im KZ
Buchenwald
wogen bei
Einlieferung 11
Monate vorher
durchschnittlich
80kg und wiegen
jetzt
durchschnittlich
35kg.
Quelle: US NARA
Mann hält totes
Baby hoch im
Wahrschauer
Ghetto.

Die „soziale Frage“ im Industriezeitalter (19. Jahrhundert) in Deutschland

Author: admin  //  Category: Deutschland, Geschichte, Industrialisierung

Die „soziale Frage“ im Industriezeitalter (19. Jahrhundert) in Deutschland.

1.Was versteht man unter „sozialer Frage“?

Wie die Geschichte zeigt, hat jede Gesellschaft ihre „soziale Frage“. Auch wenn man nicht unmittelbar das Recht des Stärkeren und die Mitleidlosigkeit des Lebenskampfes als Daseinsprinzip für Herrschaft und Unterdrückung in der Welt verantwortlich macht, wird man ganz allgemein die soziale Frage umschreiben als die Frage nach den Fehlentwicklungen einer Gesellschaft hinsichtlich ihrer Sozialordnung. Solche Fehlentwicklungen und deren sozialen Bewegungen und Lösungen lassen sich bis in die Frühgeschichte der Menschheit zurückverfolgen.

2.Ursachen und Entstehung der veränderten Sozialstruktur

Die „soziale Frage“ als Folge der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert bezieht sich auf die Auseinandersetzung mit den sozialen Missständen, die mit der Industriellen Revolution einhergingen, das heißt mit dem Übergang von der Agrar- zur sich urbanisierenden Industriegesellschaft. Dabei war die soziale Frage zu Beginn der Industriellen Revolution nicht ausschließlich eine Folge der Industrialisierung. Soziale Missstände und soziale Not, hervorgerufen durch Naturkatastrophen und den unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, hatte es seit dem Mittelalter immer wieder gegeben. Doch durch die Industrielle Revolution waren soziale Not und Elend am Anfang des 19. Jahrhunderts zu einem Massenphänomen geworden. Ein entscheidender Faktor für den wirtschaftlichen Umwälzprozess war der in allen europäischen Ländern einsetzender explosionsartiger Bevölkerungszuwachs. Gründe für diesen Zuwachs waren: Trinkwasserreinigung, Impfung, medizinischer Fortschritt, verbesserte Krankenbehandlung, sowie eine gesündere und vielseitigere Ernährung. Zusätzlich begünstigte die Einführung der Gewerbefreiheit und die Bauernbefreiung die Zahl der Eheschließungen, die steigende Geburtenziffern zur Folge hatten. Die ländlichen Gegenden boten der wachsenden Bevölkerung nicht mehr genug Verdienstmöglichkeiten und daraus resultierte eine Landflucht. Die Menschen strömten in die Städte, um hier in den Fabriken Arbeit zu finden um ihre Familien ernähren zu können. Das Wirtschaftswachstum der Industrialisierung reichte aber nicht aus um die Arbeiter von materieller Not zu befreien. Fabrikbesitzer waren darauf bedacht den Gewinn einseitig auf die unternehmerische Seite zu richten (holen). Um die Leistungskapazität voll auszuschöpfen, kam es zu unmenschlichen und menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen. Wegen ihrem Elend und ihrer Rechtlosigkeit waren die Arbeiter gezwungen ihre Arbeitskraft zu einem frei zu vereinbarenden Preis zu verkaufen. Die Lebensumstände waren barbarisch: Arbeitszeiten zwischen 16 und 18 Stunden täglich, mangelhafte Ernährung, ungesunde Arbeitsbedingungen und miserable Wohnverhältnisse. Auch Kinderarbeit war üblich. Kinder waren gezwungen mit 9 Jahren in Fabriken zu arbeiten, zu der Hälfte des Lohnes der Erwachsenen bei gleicher Arbeitszeit. Die Lebenserwartung stand bei 40 Jahren und es gab keine Altersversorgung, Unfallversicherung oder Schutz gegen Willkür durch Vorgesetzte, wie z. B. Kündigungsschutz. Während sich das Leben der Bürger nach französischem Vorbild verbesserte, wurde das Leben der Arbeiter nur noch elendiger. Durch das Wachstum der Bevölkerung in den Städten wuchs auch die Wohnungsnot. Es bildeten sich Slums, behelfsmäßige Wohnbezirke ohne Anbindung an die städtische Infrastruktur, sowie Mietskasernen. Die Wohnverhältnisse war für heutige Verhältnisse in Industriegebieten unvorstellbar, bis zu 10 Personen wohnten auf 14 m². Es fehlte in den Slums an Wasser- und Abwasserleitungen. Später wurden für die Arbeiter massiver gebaute, mehrgeschossige Mietskasernen errichtet („Schnitterkasernen“ auf dem Land). Wasser und Klosett gab es für alle gemeinsam auf dem Flur. Die Wohnungen der Industriellen Revolution hatten durch die Bauweise mit Innenhöfen nur wenig Licht und waren oft feucht. Die Wohnungsknappheit verursachte hohe Mietausgaben für die Arbeiter, die bis zu drei Viertel des Lohns ausmachten. Massenstreiks führten vor Augen, dass die soziale Frage gelöst werden musste, auch im Hinblick auf Angst vor Revolution und Hungeraufständen.
Verschiedene Institutionen suchten nach Lösungen, um die wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Missstände zu verbessern oder zu beseitigen.

3.Lösungen

1. Unternehmerische Fürsorge
2. Christliche Bemühungen
3. Liberale Sozialreform
4. Die Proletarische Revolution von Karl Marx und Friedrich Engels
5. Sozialgesetzgebung (1883-1889)

3.1.Unternehmerische Fürsorge:

Betriebliche Unterstützungskassen bei Krankheitsfällen, Altersversorgung und Vorsorge bei Unfällen und Invalidität wurden eingeführt. Außerdem wurden Betriebliche Konsumvereine und Betriebswohnungen gegründet, die zur Verringerung von Lebenshaltungskosten dienten. Kindergärten lösten das Problem der Betreuung der Arbeiterkinder. Aber die unternehmerische Fürsorge trug Züge des patriarchalischen Hausvaters d.h. es wurde absoluter Gehorsam verlangt. Die Arbeiterbewegung kritisierte deshalb diese Aktivitäten, doch bereitete das soziale Verhalten der Unternehmer die staatlichen Sozialgesetze der 1880er Jahre vor, deren Ziel die materielle Sicherung für alle Arbeiter war.

3.2.Christliche Bemühungen:

Die Amtskirchen als Vertreter des Bürgertums kümmerten sich lange nicht um die Arbeiterfrage. Dafür ergriffen aber einzelne Geistliche die Initiative zur Rückgewinnung des sozialen Engagements der Kirchen. Johann Heinrich Wichern setzte die ersten Bausteine für die evangelische Sozialarbeit. Adolph Kolping gründete 1849 den ersten katholischen Gesellenverein. Freiherr von Ketteler setzte sich ein für Sozialreformen, Koalitionsrecht und Streikrecht. Doch blieb die Masse der Arbeiterschaft von den kirchlichen Beiträgen zur Lösung der sozialen Frage unbeeindruckt. Eine breite Aussöhnung zwischen Arbeiterbewegung und Kirche fand nicht statt.

3.3. Liberale Sozialreform

Der liberale Abgeordnete Hermann Schulze-Delitzsch trat ein für bessere Bildungschancen für die Unterschicht und wirtschaftliche Selbsthilfevereine. Der Liberalismus gewann immer mehr Anhänger, weil Volkssouveränität, unabhängige Gerichte, Menschenwürde, Freiheit des einzelnen, Redefreiheit und Pressefreiheit gefordert wurden. 1844 wurde in Preußen der „Verein für das Wohl der arbeitenden Klasse“ gegründet.

3.4. Die Proletarische Revolution von Karl Marx und Friedrich Engels

Marx und Engels glaubten zwingend voraussagen zu können, dass die miserablen Lebens- und Arbeitsverhältnisse, sowie die Klassengegensätze der Bourgeoisie und des Proletariats (Arbeiter), zu einer Proletarischen Revolution führen werden. Danach würden sich die Klassen auflösen und jeder Mensch könne sich selbst in der neuen Kommunistischen Gesellschaft verwirklichen. Marx und Engels waren Anhänger der modernen Naturwissenschaften und stützten sich auf den historischen Materialismus. Religion und übernatürliche Kräfte existierten in ihrer Weltanschauung nicht. Sie waren der Meinung, dass das menschliche Bewusstsein allein von den gesellschaftlichen Produktionsverhältnissen gelenkt wird. 1848 veröffentlichten sie das „Kommunistische Manifest“. Darin legten sie dar, dass die Geschichte der Menschheit eine Geschichte von Klassenkämpfen ist, die durch soziale und materielle Unterschiede entstehen.

Das Kommunistische Manifest endet mit einem Aufruf zum internationalen Zusammenschluss: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch.“ Die Lösung um aus der kontinuierlichen Verschlechterung der Lebensverhältnisse heraus zu kommen, sahen Marx und Engels in einer Proletarischen Revolution. In dieser wird das Proletariat die Herrschaft erlangen und alle alten Produktionsverhältnisse auflösen. Über den Verlauf der Revolution sagten Marx und Engels voraus: 1. Die Revolution wird notwendig und selbstständig ablaufen, sobald die Not und die Klasse der Proletarier groß genug sind. 2. Sie wird international und gleichzeitig stattfinden. 3. Sie wird sich über viele Jahre hinziehen.

3.5. Sozialgesetzgebung (1883-1889)

Der Staat hielt sich gegenüber der „sozialen Frage“ lange Zeit weitgehend gleichgültig. Im Zeitalter der fortschreitenden Industrialisierung, die vor der Jahrhundertwende langsam in eine Hochkonjunktur einmündete, war die „soziale Frage“ ein zentrales Thema. Die „soziale Frage“ war ein politisches Problem geworden. Es entstand die Notwendigkeit, ja der Zwang zum Handeln. Otto von Bismarck (Reichkanzler, preußischer Ministerpräsident und Außenminister) entwickelte im Deutschen Reichstag eine staatliche Sozialpolitik, die Deutschland zum fortschrittlichsten Staat der Welt werden ließ. (Zitat: Walter Bussmann) Hans Rosenberg sprach von einem „segensreichen Sozialversicherungssystem“. Soziale Gegensätze in der Gesellschaft sollten durch das Eingreifen des Staates ausgeglichen werden durch die Gesetzgebung. (Buch Seite 119 Rivinius)
Man verabschiedete das Gesetz zur Krankenversicherung, das eine gesetzliche Versicherungspflicht festlegte. Das Gesetz war das erste in einer Reihe von geplanten Sozialversicherungsgesetzen Bismarcks. Ziel war, die arbeitende Bevölkerung von staatlicher Seite aus vor Notlagen zu schützen. 1884 wurde die Unfallversicherung verabschiedet, 1889 wurde die Rentenversicherung, Alters- und Invalidenversicherung eingeführt. Bismarcks Zeitgenossen begrüßten die neue Gesetzgebung als “große und einzigartige Errungenschaft”.

Kritische Zeitgenossen machten Bismarck den Vorwurf, dass seine sozialpolitischen Pläne nicht vom Sozialen, sondern vom Politischen her bestimmt werden, d.h. Bismarck wolle den Staat, die bestehende Monarchie und ihre Gesellschaftsordnung, erhalten. 1890 zwang man Bismarck zum Rücktritt und in den folgenden Jahren wurde durch die Gesetzgebung des Reichstages mehr und mehr Verbesserung für die Arbeiter geschaffen. z.B. Arbeitsschutzgesetze, wie
Einschränkung der Arbeitszeit Verstärkter Schutz für arbeitende Frauen und Jugendliche Verbot der Kinderarbeit Regelung der Arbeitsverhältnisse

Jetzt habt ihr verschiedene Lösungen kennen gelernt, die im 19. Jahrhundert dazu dienten, soziale Not zu lindern oder gar zu beseitigen. Im 20.Jahrhundert wurden viele dieser Lösungen weiter entwickelt, nicht nur um dem Arbeiter soziale Sicherheit zu geben, sondern um „den Arbeiter“ als einen politisch gleichberechtigten Menschen mit den gleichen Rechten und Pflichten wie in jeder anderen Schicht, anzuerkennen. Wie am Anfang schon erwähnt, hat jede Gesellschaft ihre „soziale Frage“, deshalb ist es wichtig soziale Missstände zu jeder Zeit zu erkennen und zu beheben.

Weitere relevante Hausaufgaben:

Soziale Frage - Ein weiteres Referat über die soziale Frage während der Industrialisierung.

Industrialisierung - Hintergrundwissen zur Industrialisierung.

___

Deutschland kennen lernen als Aupair