Willkommen und Abschied (Interpretation)

Kategorie: Deutsch, Goethe, Interpretation

Das von Johann Wolfgang von Goethe im Jahre 1789 überarbeitete Gedicht „Willkommen und Abschied“ gehört zur Gattung der Liebeslyrik. Es handelt von dem Treffen zweier sich liebenden Personen. Der erste Eindruck nach dem Lesen und die Stimmung in dem Gedicht sind sehr emotional.

Das Gedicht besteht aus 4 Strophen mit jeweils 8 Versen. Pro Strophe finden sich 4 Kreuzreime mit dem Reimschema ababcdcd. Unsauberkeiten in den Reimen sind in Strophe 3 beim a- und c-Kreuzreim und in Strophe 4 beim d-Kreuzreim vorhanden. Das verwendete Metrum ist der Jambus. Es wird aus der Perspektive des lyrischen Ichs geschrieben. Die bis auf eine Ausnahme verwendete Erzählzeit ist das Präteritum. Allerdings findet sich eine Abweichung in die Gegenwart, nämlich in Strophe 4, Vers 2.

In der 1. Strophe (Zeile 1-8) beschreibt der Autor seine Umgebung.
Johann Wolfgang Goethe schreibt das Gedicht aus der Sicht des lyrischen Ich („mein“). Sein Herz „schlug“. Das ist ein Zeichen dafür, dass er voller Leben ist, vielleicht auch aufgeregt, denn er reitet „geschwind“. Dass „der Abend … schon die Erde“ wiegt, zeigt, dass es langsam dunkel wird, „an den Bergen“ ist es schon Nacht. An dieser Stelle verwendet er die ersten Personifizierungen („Abend wiegt“, „hing die Nacht“). Der Nebel legt sich auf die Erde nieder, die Eiche wirkt wie „ein aufgetürmter Riese“. Jetzt wird eine Metapher verwendet. Alles ist gruselig, finster und unsicher. Er kann auf Grund der „Finsternis“ nicht sehen, was in „dem Gesträuch“ vor sich geht. Das ist eine Art Unsicherheit. Er fühlt sich beobachtet („hundert schwarze Augen“). Es ist oft so, dass man sich im Dunkeln unsicher fühlt, weil man nicht weiß, wo die Gefahr lauert. Man vermutet sie überall, fühlt sich beobachtet, als ob die „Finsternis … hundert schwarze Augen“ habe. Die Finsternis ist ein Symbol für die Unsicherheit, welche er verspürt-

In der 2. Strophe (Zeile 9 –16) berichtet er weiterhin von seiner Umgebung, jedoch kommt jetzt noch sein Gefühl dazu.
Er sieht, wie der „Mond … kläglich aus dem Duft hervorschaut“- Mit „Duft“ ist der Nebel gemeint. Der Mond „sah“ (Personifizierung) „kläglich“ hervor. Das wirkt auf ihn vermutlich so, weil der Mond von Nebel umgeben ist. Er hat nicht wie sonst eine klare Sicht zum Mond, sondern alles ist verschleiert. Der Wind weht ihm „schauerlich“ um die Ohren. Das verstärkt noch das Gefühl des Grusels in ihm. Er schreibt, dass die „Nacht … Ungeheuer“ schuf. Das kommt ihm vermutlich so vor, weil er so achtsam ist und sich so sehr darauf konzentriert, was passiert, dass er sich schon Sachen einbildet. Doch er ist nicht so verängstigt, dass er zurückkehrt. Nein, sein Mut ist „frisch und fröhlich“. Das lässt vermuten, dass ihn an seinem Ziel etwas Großartiges erwartet, in seinen „Adern“ brennt „Feuer“. Dieses Feuer ist ein Symbol für Adrenalin. Er hat zwar Streß (Ungewissheit der Dunkelheit), jedoch ist es ein positiver Streß, denn am Ende erwartet ihn etwas Tolles, dem er mit Leidenschaft („in meinem Herzen welche Glut“) entgegenfibert.

In der 3. Strophe (Zeile 17-24) beschreibt er das Treffen mit ihr.
An dieser Stelle nimmt das Gedicht eine Wende. Aus der Einsamkeit wird eine Zweisamkeit. Jetzt erzählt das lyrische Ich nicht mehr, sondern spricht jemanden direkt an („Dich sah ich“). Aus der Unsicherheit wird nun eine „milde Freude“, somit genau ein Gegensatz. Statt der „schwarzen Augen“ (1. Strophe) trifft ihn nun ein „süßer Blick“. Sein „Herz“ ist an ihrer Seite „ganz“. Es ist nicht mehr geteilt von der Unsicherheit und der Vorfreude, sondern nur noch von „milder Freude“ erfüllt. Es gibt für ihn nur noch sie, alles andere zählt nicht mehr. „Jeder Atemzug für“ sie. Dies zeigt seine große Liebe zu ihr, welche keine Grenzen kennt. Nun sieht er nur noch durch die rosarote Brille. Trotz Dunkelheit sieht er „ein rosafarbenes Frühlingswetter“. Er ist von „Zärtlichkeit“ umgeben. An dieser Stelle spricht er die „Götter“ an. Er hat es „gehofft“, aber nicht „verdient“, wie er meint. Dies lässt vermuten, dass es für ihn so schön ist, dass er nicht versteht, womit er so etwas schönes verdient habe.

In der 4. Strophe (Zeile 25-32) geht es um den schmerzvollen Abschied der Geliebten.
Es wird Morgen („Morgensonne“) und der Abschied kommt. Es ist sehr schmerzvoll für das lyrische Ich. Dies zeigt sich daran, dass es ihm das Herz „verengt“. Ihre Küsse waren eine Wohltat („Wonne“), doch nun ist es „Schmerz“. An dieser Stelle wird wieder ein Gegensatz verwendet. Nun bekommt auch die Überschrift des Gedichtes „Willkommen und Abschied“, in der auch ein Gegensatz steckt, einen Sinn. Erst verspüren sie die Freude des Wiedersehens („Willkommen“), nun den „Schmerz“ der Trennung („Abschied“). Als er geht, steht sie da und sieht „zur Erde“. Dies zeigt die Niedergeschlagenheit, sie lässt den Kopf hängen. Sie hat einen „nassen Blick“. Dies bringt ihre Traurigkeit verstärkt zum Ausdruck. Für ihn steht über der Traurigkeit das „Glück, geliebt zu werden“. Für ihn ist die kurze Zeit der Freude wichtiger, als die lange Zeit ohne sie. Er freut sich, dass er die schöne Zeit erleben durfte und weint nicht, dass sie vergangen ist. Er empfindet es als „Glück“ zu „lieben“. Hier spricht er wieder die Götter an, wahrscheinlich um ihnen für die Fähigkeit zu lieben zu danken.

10 Kommentare to “Willkommen und Abschied (Interpretation)”

  1. No Says:

    Vielen Dank!
    Deine Interpretation hat mir einige Denkanstöße zu meiner eigenen gegeben. Auch ohne abzuschreiben, hab ich das Gedicht auf einmal direkt verstanden und konnte eine sehr ausführliche Interpretation dazu schreiben :)

  2. fzg Says:

    thx bro !

  3. Christian Says:

    Nett, aber man kann noch viel mehr raushohlen UND es heißt nicht Zeile sondern Vers.

  4. Justus Says:

    Also ich habe gelernt das es auch Zeilen geben kann

  5. Unbekannt Says:

    Ich habe es so in der Form gemacht und meine Deutschlehrerin hat gesagt, dass es falsch sie, da das eine Nacherzählung sei und sie eine Inhaltsangabe gefordert hat!

  6. EyChuwak Says:

    Alta so eine interpretation öffnet mir die Augen. Ich schreibe gleich eine Deutscharbeit und da müssen wir eine Interpretation schreiben. da ich nur dieses Gedicht kenne und auch weiß was da vor kommt und mit deiner Interpretation kann ich meine eigenen Regeln aufbauen ;)

    sry fúr viele wiederholung oder Tippfehler/Grammatikfehler.

  7. sanane Says:

    Christian halts maul du opfer! Mach deine interpretation doch selber du lutscher, wenn es dir nicht gefällt ;)

  8. f. Says:

    dank deines Beispiels habe ich es geschafft meine Deutscharbeit NICHT zu verhauen. vielen dank :)

  9. David Says:

    Es fehlen mehrere WICHTIGE Dinge wie die Kadenz oder die rhetorischen Stilmittel. Uns wird man gelehrt, dass dies zwie besonders wichtige Merkmale einer Gedichtsinterpretation ist … aber trotzdem Daumen hoch ;)

  10. Jay Says:

    Also diese Interpretation ist totaler Quatsch! Goethe schreibt hier über sein heimliches Treffen mit Charlotte Buff das Lyrische Ich ist er selbst wie er in der Nacht in den Wald reitet um sie treffen…
    Denk mal darüber nach

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